Finanzstatistik: Prognosen 2026–2030 und Ausgabenmonitoring 2008-2024
Bern, 22.09.2026 — Die Finanzstatistik der Eidgenössischen Finanzverwaltung (EFV) veröffentlicht die Prognosen zu den öffentlichen Finanzen (Bund, Kantone, Gemeinden und Sozialversicherungen) bis 2030. Demnach dürfte sich das Finanzierungsergebnis der öffentlichen Haushalte 2026 und 2027 gegenüber 2025 verschlechtern und sich ab 2028 wieder verbessern. Gleichzeitig erscheint ein Monitoring zur Entwicklung der Staatsausgaben von Bund und Kantonen über die Periode 2008-2024. Das Monitoring der Staatsausgaben soll insbesondere Aufgabenbereiche mit besonders dynamischer Ausgabenentwicklung identifizieren.
Das Finanzierungsergebnis der öffentlichen Haushalte (Bund, Kantone, Gemeinden und Sozialversicherungen) dürfte sich in den Jahren 2026 und 2027 gegenüber 2025 verschlechtern. Dafür gibt es zwei Hauptgründe: Erstens wird die 13. AHV-Rente eingeführt, nach den heutigen Annahmen ohne zusätzliche Finanzierung in den Jahren 2026 und 2027. Zweitens wird das Finanzierungsergebnis der Arbeitslosenversicherung aufgrund der Lage auf dem Arbeitsmarkt 2026 voraussichtlich leicht defizitär werden; dieses Defizit kann jedoch durch das Nettovermögen der Arbeitslosenversicherung gedeckt werden. Der Bund dürfte 2026 und 2027 ein annähernd ausgeglichenes Ergebnis ausweisen. Die Kantone dürften Überschüsse von rund 1,9 beziehungsweise 1,6 Milliarden Franken erzielen. Dazu tragen insbesondere höhere Einnahmen aus der Unternehmensgewinnsteuer sowie die Gewinnausschüttung der SNB bei. Für 2026 wird mit einer Ausschüttung von 4 Milliarden Franken gerechnet, für 2027 mit 3 Milliarden.
Ab 2028 ist wieder mit einer Verbesserung der finanziellen Lage der öffentlichen Haushalte zu rechnen. Dazu trägt insbesondere die in den Prognosen berücksichtigte Erhöhung der Mehrwertsteuer um 0,9 Prozentpunkte zur Stärkung der Sicherheit und Verteidigung sowie zur Finanzierung der 13. AHV-Rente bei. Zudem wird eine Entspannung auf dem Arbeitsmarkt erwartet, dies dürfte die Finanzlage der Sozialversicherungen verbessern. Die konjunkturelle Erholung dürfte das Wachstum der Steuereinnahmen unterstützen und so zur Verbesserung der finanziellen Situation der öffentlichen Haushalte beitragen. Das Finanzierungsergebnis des Bundes dürfte im Prognosezeitraum ausgeglichen bleiben, während die Kantone voraussichtlich einen Überschuss von rund 1 Milliarde Franken ausweisen dürften, insbesondere auch aufgrund der Gewinnausschüttung der SNB. Die Prognosen basieren auf der Annahme einer SNB-Gewinnausschüttung von 3 Milliarden Franken auch in den Jahren 2028 bis 2030.

Alternatives Szenario und Risiken für die öffentlichen Finanzen
Zur Bewertung der Risiken wurde ein alternatives Szenario erstellt. Dieses basiert auf der Annahme, dass die SNB ab 2027 keinen Gewinn mehr ausschüttet und dass die Mehrwertsteuer 2028 weder zur Finanzierung der 13. AHV-Rente noch für die Finanzierung der Armee erhöht wird. In diesem Fall würde sich das Finanzierungsergebnis deutlich verschlechtern und im Jahr 2030 auf ungefähr minus 4,3 Milliarden Franken sinken.
Das alternative Szenario berücksichtigt weder die jüngsten geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten noch mögliche Auswirkungen von Veränderungen in der internationalen Zollpolitik. Zudem hat es vor allem illustrativen Charakter, da die öffentlichen Haushalte gesetzlich festgelegten Fiskalregeln unterliegen.

Die Grafik zeigt das Finanzierungsergebnis des gesamten Staatssektors sowie der einzelnen Teilsektoren. Das darin dargestellte alternative Szenario basiert auf der Annahme, dass die SNB ab 2027 keinen Gewinn mehr ausschüttet und die Mehrwertsteuer 2028 weder zur Finanzierung der 13. AHV-Rente noch für die Finanzierung der Armee erhöht wird. Die vorgesehenen Ausgaben für AHV und Armee bleiben berücksichtigt.
Kasten 1 - Prognoseannahmen und Unsicherheiten
Die Prognosen stützen sich auf die aktuellen Beschlüsse und Vorschläge von Bund, Kantonen und Gemeinden bezüglich ihrer Budgets, auf die Einschätzung der jeweiligen Haushaltssituation sowie auf ihre Finanzpläne. Sie berücksichtigen zudem die neuesten Prognosen zur wirtschaftlichen Entwicklung und zur Gewinnausschüttung der SNB sowie Erfahrungswerte zu Kreditresten. Die Prognosen unterliegen mehreren Unsicherheitsfaktoren. Dazu zählen die Gewinnausschüttung der SNB, die Erhöhung der Mehrwertsteuer zur Finanzierung der 13. AHV-Rente und der Armee sowie die Höhe der Kreditreste. Darüber hinaus trägt die Entwicklung der internationalen Geo- und Handelspolitik zur hohen Unwägbarkeit bei. Die Prognosen beruhen somit auf verschiedenen Annahmen über künftige Entwicklungen und sind deshalb mit hoher Unsicherheit verbunden.
Ausgabenmonitoring 2008-2024
Gleichzeitig mit der Prognose wird auch die erste Ausgabe des neuen Ausgabenmonitorings für die Periode 2008-2024 veröffentlicht. Das Ausgabenmonitoring wurde vom paritätischen Beratungsorgan Finanzausgleich Bund-Kantone im Rahmen des ehemaligen Projekts «Aufgabenteilung II» im Auftrag gegeben.[1] Das Ausgabenmonitoring zeigt, wie sich die öffentlichen Ausgaben seit 2008 entwickeln und wie stark die Finanzen von Bund und Kantonen insgesamt miteinander verflochten sind. Bei den Kantonen verzeichnet der Bildungsbereich die stärkste Ausgabendynamik, während auf Bundesebene die Ausgaben im Bereich Soziale Sicherheit am deutlichsten steigen.
Eine vertiefte Analyse zeigt, dass die Bereiche Obligatorische Schule, Spitäler, Sozialhilfe und Asylwesen sowie Allgemeine Dienste auf kantonaler Ebene (inkl. Gemeinden) die stärkste Entwicklung verzeichnen. Auf Bundesebene sind die Ausgaben für AHV, Forschung und Verteidigung am stärksten gestiegen. Schliesslich zeigt die Analyse des Grads der finanziellen Verflechtung zwischen Bund und Kantonen, dass unter den Aufgabenbereichen mit der stärksten Ausgabendynamik die Bereiche Krankheit und Unfall, Hochschulen, Invalidität sowie Sozialhilfe und Asylwesen die höchste Verflechtung aufweisen. Losgelöst von der Ausgabendynamik sind es die Bereiche Landwirtschaft, Krankheit und Unfall sowie Strassenverkehr, die sich durch den höchsten gewichteten Verflechtungsgrad auszeichnen. Der Bericht zum Ausgabenmonitoring (Link) sowie die Basisdaten (Link) sind auf der Webseite der EFV veröffentlicht.
[1] Das Projekt Aufgabenteilung II wurde im Jahr 2021 sistiert. Bund und Kantone haben im Jahr 2025 das Nachfolgeprojekt «Entflechtung 27» lanciert. Im Frühling 2026 wurde ein erster Zwischenbericht vorgelegt. Bund und Kantone werden bis Ende Jahr über das weitere Vorgehen entscheiden.
