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MedienmitteilungVeröffentlicht am 26. Februar 2026

Schweizer Grand Prix Design 2026 geht an atelier oï, Ursula Hiestand und Simone C Niquille

Bern, 26.02.2026 — Das Bundesamt für Kultur (BAK) zeichnet auf Empfehlung der Eidgenössischen Designkommission das Design- und Architekturstudio atelier oï, die Grafikerin Ursula Hiestand sowie die Designerin und Forscherin Simone C Niquille mit dem Schweizer Grand Prix Design 2026 aus. Mit der Auszeichnung würdigt der Bund drei herausragende Studios, die das Schweizer Design national und international nachhaltig prägen und weiterentwickeln.

atelier oï – Eine 35-jährige Reise vom Kleinen zum Grossen

atelier oï wurde 1991 von Aurel Aebi (*1966, Heimiswil), Armand Louis (*1966, Ligerz) und Patrick Reymond (*1962, L’Abbaye) gegründet. Die drei Gründer arbeiten transdisziplinär an der Schnittstelle von Produktdesign, Szenografie, Architektur und Innenarchitektur. Ihr Werk reicht von kleinformatigen Objekten bis hin zu komplexen räumlichen Inszenierungen und verbindet handwerkliche Präzision mit experimenteller Materialforschung.

Internationale Bekanntheit erlangte das Studio mit Projekten für die Expo.02 sowie mit Leuchtenentwürfen wie Allegro und Allegretto für das italienische Beleuchtungsunternehmen Foscarini. Heute arbeitet atelier oï weltweit für Auftraggeber aus der Kultur-, Industrie- und Luxusgüterbranche, darunter Louis Vuitton, Artemide, Issey Miyake A-POC ABLE, USM oder Nespresso, ebenso wie für öffentliche und gemeinnützige Institutionen wie Smiling Gecko Cambodia.

Die Eidgenössische Designkommission hebt hervor, dass atelier oï seit über 35 Jahren eine exemplarische nationale und internationale Erfolgsgeschichte des Schweizer Designs verkörpert. Ihre einzigartige Verbindung von Handwerk, Materialforschung und poetischem Ausdruck, ihr interdisziplinäres Arbeiten sowie ihr Engagement in Lehre und kulturellem Austausch machen sie zu einer prägenden und inspirierenden Referenz für junge Gestalterinnen und Gestalter.

Ursula Hiestand – Das Leben gestalten

Ursula Hiestands (*1936 in Zürich, lebt in Zollikon ZH) Lebenswerk verbindet Gestaltung, gesellschaftliche Verantwortung und praktische Lebenswelt. Gemeinsam mit ihrem Mann Ernst Hiestand führte sie ab 1960 das Atelier E + U Hiestand in Zürich, das sich durch Klarheit, Sachlichkeit sowie eine konsequente Ökonomie der Mittel auszeichnete.

Zu ihren bekanntesten Projekten zählen das Corporate Design der Warenhauskette ABM, das Informationssystem der Zürcher Verkehrsbetriebe, das Informationssystem für das Centre Georges Pompidou in Paris sowie die Gestaltung der Schweizer Banknotenserie von 1976 bis 2000. Diese Arbeiten prägten das kollektive visuelle Gedächtnis der Schweiz nachhaltig.

Ursula Hiestand nahm als eine der ersten Frauen in der Alliance Graphique Internationale (AGI) Schweiz eine Pionierrolle ein. Die Eidgenössische Designkommission würdigt ihr Wirken als wegweisend für das moderne Schweizer Grafikdesign; die dort entstandenen Entwürfe wirken bis heute im öffentlichen Raum und trugen zur internationalen Verbreitung zentraler Prinzipien des «Swiss Style» bei. Als Präsidentin der Schulkommission der Berufsschule für Gestaltung Zürich (2002–2009) engagierte sich Ursula Hiestand massgeblich für die Qualität der Ausbildung und den Erhalt des gestalterischen Vorkurses.

Das Atelier, das sie seit 1980 allein weiterführte, verantwortete unter zahlreichen weiteren Projekten die gesamte ABM-Werbung bis 1994. Ihr Lebenswerk verknüpft gestalterische Qualität mit gesellschaftlicher Haltung und ist bis heute für nachfolgende Generationen wegweisend.

Simone C Niquille – Transdisziplinär, hybrid, komplex

Simone C Niquille (*1987 in Zug, lebt und arbeitet in Amsterdam NL) arbeitet an der Schnittstelle von Design, Forschung und Lehre und gehört zu einer Generation von Gestalterinnen, die digitale Technologien nicht nur anwenden, sondern kritisch befragen. Ihre transdisziplinäre Praxis verbindet Design mit Architektur, Medienforschung, Philosophie und Anthropologie.

Ausgebildet in Grafikdesign in den USA und am Sandberg Instituut in Amsterdam, entwickelte Niquille früh ein Interesse an Fragen der Identitätskonstruktion, Überwachung und Standardisierung. In Filmen, Installationen und Forschungsprojekten untersucht sie, wie digitale Systeme Körper, Räume und Wirklichkeit erfassen und dabei bestehende Macht- und Wissensstrukturen reproduzieren. Neben ihrer eigenen gestalterischen Praxis engagiert sich Niquille intensiv in der Wissensvermittlung.

Die Eidgenössische Designkommission hebt hervor, dass Niquille als erste Preisträgerin in der Kategorie Media & Interaction Design für eine hybride, transdisziplinäre Praxis steht, die gesellschaftliche Folgen digitaler Standardisierung, Vorurteile in Technologien und die Grenzen maschinellen Sehens thematisiert. Damit leistet sie einen entscheidenden Beitrag zu einem Designverständnis, das Technologie nicht als neutral, sondern als kulturell und politisch wirksam begreift und unsere Sicht auf die digitale Welt nachhaltig prägt.

Schweizer Grand Prix Design

Mit dem Schweizer Grand Prix Design werden seit 2007 Designerinnen und Designer von nationaler und internationaler Bedeutung ausgezeichnet. Der Preis ist mit je 40’000 Franken dotiert. Die Auszeichnungen des Schweizer Grand Prix Design 2026 werden zusammen mit den Schweizer Designpreisen im Rahmen der Ausstellung «Swiss Design Awards» am 15. Juni 2026 in Basel verliehen.

Zu diesem Anlass erscheint die Publikation «Schweizer Grand Prix Design 2026» mit Kurzportraits von Susanna Koeberle, Interviews mit den Preisträgerinnen und Preisträgern geführt von Keiji Ashizawa, Isabel Koellreuter & Franziska Schürch sowie Nora O' Murchú und Bildmaterial zu den ausgezeichneten Persönlichkeiten. Die Ausstellung Swiss Design Awards in der Messe Basel, Halle 1.1, wird am 15. Juni 2026 in Anwesenheit von Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider eröffnet und findet während der Art Basel vom 16. bis 21. Juni 2026 statt. Der Eintritt zu den Veranstaltungen und der Ausstellung ist frei.

(www.schweizerkulturpreise.ch)