Langzeitstudie zeigt: Fitness von Schweizer Stellungspflichtigen nimmt seit 2006 leicht ab
Bern, 08.09.2026 — Die körperliche Fitness von jungen Schweizer Stellungspflichtigen ist in den letzten 19 Jahren leicht, aber kontinuierlich zurückgegangen. Gleichzeitig schätzen sich die jungen Erwachsenen heute als deutlich aktiver und sportlicher ein als früher. Dies zeigt eine Langzeitstudie des Bundesamts für Sport BASPO, die durch die Eidgenössische Hochschule für Sport Magglingen EHSM in Zusammenarbeit mit der Schweizer Armee und der Universität Zürich durchgeführt wurde. Sie untersuchte Rekrutierungsdaten von rund 700'000 Stellungspflichtigen und freiwilligen Frauen im Zeitraum von 2006 bis 2024 und gehört zu den grössten ihrer Art in Europa.
Junge Schweizer Stellungspflichtige sind weniger fit. Dies zeigt die Analyse von objektiven Ergebnissen des Fitnesstests der Armee (FTA) zum Zeitpunkt der Rekrutierung von rund 700'000 Stellungspflichtigen und freiwilligen Frauen aus der ganzen Schweiz sowie von Daten zu Body-Mass-Index (BMI) und subjektiven Angaben zum eigenen Bewegungsverhalten über den Zeitraum von 2006 bis 2024. Die Studie des Bundesamts für Sport BASPO gehört damit zu den grössten Langzeituntersuchungen zur objektiv gemessenen körperlichen Fitness junger Erwachsener in Europa.
Diskrepanz zwischen wahrgenommener und gemessener Fitness
Seit Mitte der Nullerjahre hat die durchschnittliche Punktzahl der männlichen Stellungspflichtigen im FTA von 74,2 auf 70,4 Punkte abgenommen. Bemerkenswert ist dabei, dass sich die objektiv gemessene Fitness zwar verringert, die subjektiv angegebene Sport- und Bewegungsaktivität allerdings zugenommen hat. Bei den männlichen Stellungspflichtigen stieg der Anteil der sich selbst als «trainiert» eingestuften von 40 auf 56 Prozent. Nur noch 4 Prozent bezeichnen sich heute als inaktiv (2006: 8 Prozent).
Die Forschenden führen diesen Widerspruch auf zwei Faktoren zurück: Einerseits neigen Menschen bei Selbstbefragungen generell zur Überschätzung des eigenen Verhaltens. Andererseits sind die heute im Alltag beliebten sportlichen Aktivitäten oft nicht spezifisch genug, um die im FTA geprüften konditionellen und koordinativen Basisfähigkeiten wie Rumpfkraft, Ausdauer oder Gleichgewicht im gleichen Masse zu entwickeln.
Zudem zeigt die Studie, dass strukturelle Veränderungen eine Rolle spielen. Durch die Weiterentwicklung der Armee (WEA) ab 2018 stieg das durchschnittliche Rekrutierungsalter deutlich an. Da jüngere Stellungspflichtige im Fitnesstest systematisch besser abschneiden als ältere, erklärt dieser Demografie-Effekt einen Teil des Fitness-Rückgangs. Ein weiterer, realer Leistungsabbau dürfte zudem auf die Bewegungseinschränkungen während der Covid-19-Pandemie zurückzuführen sein.
Anders sieht die Entwicklung derweil bei den sich freiwillig stellenden Frauen aus. Deren Fitness verbesserte sich über den Untersuchungszeitraum, die FTA-Punktzahl stieg von 45,4 auf 49,9 Punkte. Der Anteil der sich als «trainiert» einstufenden Frauen erhöhte sich von 50 auf 64 Prozent. Diese Ergebnisse sind mit Vorsicht zu interpretieren: Da diese Frauen den Militärdienst freiwillig leisten wollen, handelt es sich hierbei jedoch um eine selektierte und tendenziell sportlich motivierte Gruppe.
Einzigartiger Einblick in Fitness von jungen Schweizer Männern
Da fast alle jungen Schweizer Männer die Rekrutierung durchlaufen, erlauben die Daten einen einzigartigen Einblick in die Entwicklung der Fitness von jungen Männern in der Schweiz und liefern wertvolle Erkenntnisse für die Gesundheits- und Sportförderung. Gezielte Massnahmen zur Förderung der körperlichen Fitness junger Erwachsener, z. B. in der Ausgestaltung von Übergangsphasen wie vom obligatorischen Schulsport in freiwillige Sport- und Bewegungssettings, werden nun geprüft.
Die Studie «Trends in physical fitness performance and body mass index of Swiss military conscripts, 2006–2024» wurde im wissenschaftlichen Fachjournal BMJ Open veröffentlicht und von Forschenden des EHSM-Bereichs Monitoring und Evaluation in Zusammenarbeit mit der Schweizer Armee und der Universität Zürich durchgeführt.
