Gemischte Zwischenbilanz: Vierter Länderbericht der Schweiz zur Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung
Bern, 13.05.2026 — An seiner Sitzung vom 13. Mai 2026 hat der Bundesrat den vierten Länderbericht der Schweiz zur Umsetzung der Agenda 2030 verabschiedet. Die Zwischenbilanz für die Jahre 2022–2026 fällt gemischt aus. Der vorliegende Bericht ist zugleich der letzte Länderbericht im bisherigen Format. Kantone, Gemeinden und Städte haben viele neue Ansätze zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele entwickelt. Trotz geopolitischer Verschiebungen bleibt die Agenda 2030 der globale Referenzrahmen für nachhaltige Entwicklung.
Das internationale Umfeld hat sich seit 2022 deutlich verändert: geopolitische Spannungen, multiple Krisen, zunehmender Protektionismus und wachsende Finanzierungslücken prägen die Rahmenbedingungen. Auch international entwickelt sich die Agenda 2030 zunehmend von einer umfassenden Transformationsagenda zu einem pragmatischen Referenzrahmen mit Fokus auf Prioritäten, Wirkung und realistische Zielerreichung. Vor diesem Hintergrund bleibt die Agenda 2030 für den Bundesrat ein wichtiger Referenzrahmen. Der Bericht, der im Juli 2026 der UNO präsentiert wird, zeigt Fortschritte, benennt Lücken und beleuchtet auch grenzüberschreitende Auswirkungen der Schweiz («Spillover-Effekte»).
Gemischte Zwischenbilanz
In einzelnen Bereichen wurden Fortschritte erzielt, insbesondere bei den erneuerbaren Energien, der Kreislaufwirtschaft und Gleichstellung. So ist der Material-Fussabdruck pro Person von 20 Tonnen im Jahr 2000 auf 15 Tonnen im Jahr 2023 gesunken. Der Anteil erneuerbarer Energien lag 2024 bei knapp 30 % und ist seit der Jahrtausendwende um über 60 % gestiegen. Die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern im Privatsektor haben sich seit 2000 deutlich reduziert.
Gleichzeitig bleiben zentrale Herausforderungen bestehen. Teilweise werden relative Fortschritte durch absolutes Wachstum relativiert, etwa bei steigenden Abfallmengen trotz hoher Recyclingquoten. In Bereichen wie nachhaltigem Konsum, Klima und Biodiversität besteht weiterhin erheblicher Handlungsbedarf.
Der Bericht basiert auf einer breiten Bestandsaufnahme. Rund 140 externe Akteurinnen und Akteure sowie zahlreiche Kantone, Städte und Gemeinden brachten über die digitale Plattform SDGital2030 ihre Einschätzungen ein. Ergänzt werden diese durch Beiträge von rund 600 Fachpersonen der Bundesverwaltung sowie Daten des Indikatorensystems MONET 2030. Externe Perspektiven werden zudem in einem eigenen Kapitel dargestellt; sie geben die Sicht der jeweiligen Akteure wieder und stellen keine Position des Bundesrates dar.
Fokus auf Wirkung und Prioritäten
Die Umsetzung der Agenda 2030 erfordert unter den heutigen Bedingungen klare Prioritäten und einen konsequenten Fokus auf wirksame Massnahmen. Wirkung vor Vollständigkeit wird zunehmend zum Leitprinzip.
Zentrale Hebel sind eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden sowie die konsequente Verankerung der Nachhaltigkeitsziele in Planungs- und Steuerungsprozessen. Zielkonflikte sind transparent zu machen und politisch zu entscheiden.
Der Bundesrat hat das EDA beauftragt, ihm bis Ende 2028 einen Vorschlag für eine Gesamtevaluation der Periode 2015–2030 sowie das weitere Vorgehen zu unterbreiten. Damit trägt er auch der internationalen Entwicklung Rechnung.
Gut positioniert in einem veränderten Umfeld
Die Schweiz ist gut positioniert, um die langfristigen Herausforderungen anzugehen. Die Ziele der Agenda 2030 sind auf allen Staatsebenen breit verankert. Kantone, Städte und Gemeinden entwickeln innovative Ansätze und tauschen ihre Erfahrungen zunehmend auch international aus. Ausdruck dieser Dynamik ist die Tatsache, dass einige Schweizer Städte (Bern, Genf) und Kantone (Aargau, Basel-Stadt) zum ersten Mal eigene Berichte zuhanden der UNO veröffentlichen.
Das Internationale Genf bleibt ein zentraler Ort für Dialog und Zusammenarbeit – gerade angesichts tiefgreifender Veränderungen des Multilateralismus. Über globale Wertschöpfungsketten, den Finanzplatz sowie ihre Stärke in den Bereichen Innovation, Forschung und Technologie verfügt die Schweiz über weitere wichtige Hebel, um zur nachhaltigen Entwicklung beizutragen.
